Beziehung und Bindung
„In der Liebe kommt es zu dem Paradoxon, daß zwei Wesen eins werden und trotzdem zwei bleiben.“
— Erich Fromm
In jeder Beziehung kann es Phasen geben, in denen das Gefühl verloren geht, einander nahe zu sein. Gespräche enden in Missverständnissen, dieselben Konflikte wiederholen sich, und während der eine Nähe sucht, zieht sich der andere zurück. Oft kämpfen dabei zwei Menschen nicht gegeneinander, sondern mit ihren unterschiedlichen Ängsten, einander zu verlieren.
Wie unsere Beziehungserfahrungen uns prägen
Das Bedürfnis nach Nähe, Sicherheit und Verbundenheit begleitet uns von Beginn an. Aus unseren frühen Beziehungen entstehen Antworten auf grundlegende Fragen: Können wir darauf vertrauen, dass jemand für uns da ist, wenn wir ihn brauchen? Dürfen wir unsere Bedürfnisse zeigen, ohne Zurückweisung befürchten zu müssen? Können wir uns auf einen anderen Menschen einlassen, ohne unsere Eigenständigkeit zu verlieren?
Diese Antworten beeinflussen, was wir von anderen erwarten, wie wir mit Konflikten umgehen und wie viel Nähe wir zulassen können. Oft werden uns diese Zusammenhänge erst bewusst, wenn wir in Beziehungen immer wieder an ähnliche Grenzen stoßen.
Unterschiedliche Bindungsmuster
Je nachdem, welche Erfahrungen wir gemacht haben, entwickeln sich unterschiedliche Wege, mit Nähe und emotionaler Unsicherheit umzugehen.
Sichere Bindung
Menschen mit einem sicheren Bindungsmuster können Nähe zulassen und zugleich eigenständig bleiben. Sie vertrauen grundsätzlich darauf, dass andere für sie da sind, und können Konflikte und vorübergehende Distanz aushalten, ohne die Beziehung gleich infrage zu stellen.
Ängstlich-verstrickte Bindung
Menschen mit diesem Muster wünschen sich viel Nähe und Bestätigung, zweifeln aber an der Beständigkeit der Zuneigung des anderen. Schon kleine Anzeichen von Distanz können Verlustängste auslösen. Hinter dem Bedürfnis nach Rückversicherung steht die Sorge, nicht ausreichend geliebt zu werden.
Abweisend-vermeidende Bindung
Hier stehen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit im Vordergrund. Emotionale Nähe wird leicht als einengend erlebt, eigene Bindungsbedürfnisse werden heruntergespielt und schwierige Gefühle mit sich selbst ausgemacht. Rückzug hilft, das Gefühl von Selbstbestimmung zu bewahren.
Ängstlich-vermeidende Bindung
Hier treffen die Sehnsucht nach Verbundenheit und die Angst vor Zurückweisung aufeinander. Es fällt schwer, anderen zu vertrauen und sich verletzlich zu zeigen. So kann ein Wechsel zwischen Annäherung und Rückzug entstehen, der für beide Partner belastend ist.
Bindungsmuster sind keine Diagnosen und keine unveränderlichen Eigenschaften. Sie beschreiben, wie jemand gelernt hat, sich in Beziehungen zu schützen.
Wie sich Beziehungsschwierigkeiten zeigen können
Vielleicht erkennen Sie sich in einer oder mehreren dieser Erfahrungen wieder:
Sie geraten immer wieder in dieselben Konflikte, obwohl Sie sich eigentlich verstehen möchten.
Sie haben Angst, verlassen zu werden, oder fühlen sich schnell eingeengt, wenn Ihnen jemand emotional näherkommt.
Sie fühlen sich in Ihrer Beziehung einsam, unverstanden oder nicht mehr gesehen.
Sie haben das Gefühl, sich in Beziehungen selbst zu verlieren oder Ihre Bedürfnisse zurückstellen zu müssen.
Sie verlieben sich wiederholt in Menschen, die emotional nicht verfügbar sind.
Sie erleben Schwierigkeiten mit Intimität, Sexualität oder emotionaler Verbundenheit.
Sie befinden sich nach einem Vertrauensbruch, einer Trennung oder einer anderen belastenden Erfahrung in einer Krise.
Bindungsorientierte psychoanalytische Psychotherapie
In der Therapie gehen wir der Frage nach, warum sich bestimmte Konflikte wiederholen, warum Nähe manchmal Angst auslöst oder warum es schwerfällt, eigene Bedürfnisse auszudrücken.
Auch die therapeutische Beziehung selbst ist dabei ein wichtiger Teil der Arbeit. Vertraute Muster können sich auch hier zeigen, zum Beispiel die Sorge, zu viel zu sein, oder der Impuls, lieber alles allein zu regeln. In einem geschützten Rahmen lassen sie sich erleben und verstehen, statt nur darüber zu sprechen. Wenn unbewusste Beziehungsmuster verstehbar werden, entstehen neue Möglichkeiten, mit Nähe, Distanz und den eigenen Bedürfnissen umzugehen.
Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin an Ihrer Beziehung arbeiten möchten, ist auch eine Paartherapie möglich.
Ein erster Schritt
Wenn Sie sich in diesen Beschreibungen wiederfinden, können wir in einem unverbindlichen Erstgespräch über Ihr Anliegen sprechen und gemeinsam klären, ob eine psychoanalytische Psychotherapie für Sie passt. Das Erstgespräch findet in meiner Praxis in 1200 Wien statt.
Wie das Setting aussieht und was es kostet, finden Sie hier.